Wilhelmsburg und die Honigfabrik
Der Versuch einer Aufarbeitung
Wilhelmsburg - die Situation in den 70er Jahren
In Wilhelmsburg - ein Hamburger Stadtteil (flächenmäßig großter Stadtteil Hamburgs) auf der Elbinsel zwischen Norder- und Süderelbe - kristallisierten sich die Probleme der damaligen Zeit deutlicher als in den meisten anderen Stadtteilen Hamburgs.
Wilhelmsburg, ein Stadtteil der unterschiedlicher nicht sein konnte: Auf der einen Seite die 'Veddel' und der 'Reiherstieg', traditionelle Arbeiterbezirke mit einer direkten Bindung zum Hambuger Hafen, auf der anderen Seite eine fast ländlich-bäuerliche Idylle mit vielen Grünflächen. Dazwischen der Bahnhofsbereich (Bahnhof Wilhemsburg) mit den typischen roten Klinkerhäusern der 50er Jahren, die für viele Familien wohnraum bot. Mitte der 70er Jahre entstand 'Kirchdorf-Süd' - 'moderner' Wohnraum für 6.000 Menschen - im typischen 'Ghetto-Style' einer Hochhaus-Plattenbausiedlung (damals sollten Teile von Wilhelmsburg zum Industriegebiet gemacht und die Menschen hierher umsiedelt werden).Hörspiel: Per Bus nach Wilhelmsburg (03:18)
NDR 1981Die schwere Sturmflut von 1962, bei der alleine in Wihelmsburg 207 Menschen ertranken, hat große Teile von Wilhelmsburg überflutet und zum Teil zerstört. "Abgesoffene" Häuser, gerade im Reiherstieg, wurden 'trockengelegt' und bieten heute noch 'unverändert' Wohnraum für viele Menschen.
Das große Angebot an Wohnraum - nicht zuletzt wegen der zum Teil relativ 'niedrigen' Mieten, bedingt auch durch den teilweise desolaten Zustand der Wohnungen - wurde von vielen jungen Menschen genutzt, um hier in ihre ersten eigenen Wohnung oder mit Freunden in eine WG zu ziehen. Darüber hinaus zogen viele ausländische Menschen mit Ihren Familien nach Wilhelmsburg. So sind auch heute noch rund 23% der Bevölkerung jünger als 18 Jahre und 35% sind Ausländer (Hamburg: 15%). Es leben heute knapp 50.000 Menschen in Wilhelmsburg.Audio: Wilhelmsburg - Lage, Umgebung und Menschen (00:37)
Bernhard Dey, Ortsamtleiter Wilhelmsburg, NDR 1981
Immer mehr (junge) Menschen lebten in Wihelmsburg - lebten 'zusammengefercht' in Kirchdorf-Süd, ohne das es die geringsten sozio-kulturellen Entfalltungsmöglichkeiten gab; das Leben spielte sich auf der Straße oder in 'Kneipen' ab. Die Konflikte waren vorprogrammiert und eskalierten in Gewalt und absurden Menschen- und Ausländerhass.Audio: Kultursituation in Wilhelmsburg (00:27)
NDR 1981Auch wir, damals um die 20 Jahre alt, fanden ebenfalls kaum Möglichkeiten. Nach Hamburg "in die Stadt" zu fahren scheiterte regelmäßig an der nicht vorhandenen 'Kohle'. Unsere Freunde, die in Wohngemeinschaften lebten, waren unsere 'Anlaufstellen' um gemeinsam mit anderen Menschen die Freizeit zu verbringen und sinnvoll zugestalten.
Aber die Möglichkeiten waren sehr eingeschränkt und führten immer wieder zu Auseinandersetzungen mit Nachbarn oder Vermietern.
Keine Frage: Es musste etwas passieren!
"Wilhelm Burger" und das 'Jugendzentrum' im Keller (JZI)
# MEHR FOLGT #Audio: "Besetzung" Rathaus Wilhelmsburg durch die JZI (00:42)
Thomas Giese, NDR 1981
"Flügger" - jetzt geht's los!
# MEHR FOLGT #
"Wir wollen alles und die Honigfabrik dazu!"
(Parole der JZ-Bewegung in Wilhelmsburg, 1977)
# MEHR FOLGT #Audio: "Sachzwänge, kein böser Wille, illegal" (00:56)
Kultursenator Wolfgang Tarnowski, NDR 1981
Musik in der Honigfabrik
Musik war ein wesentlicher Bestandteil der Bewegung für ein selbst- verwaltetes Jugendzentrum in Hamburg-Wilhelmsburg und damit letztendlich für die Honigfabrik Wilhelmsburg.Innerhalb dieser Bewegung wurde immer Musik gemacht. Aufgrund der Gegeben- heiten (keine Übungsräume, kein Platz, kein Geld) anfänglich Musik von Lieder- machern - politisch orientierte Lieder - die nur in selbst angemieteten Kelleräumen, in Garagen oder in der Wohnung gemacht werden konnte.
Jeder, der Musik machen wollte oder konnte beteiligte sich mit 'Leib und Seele' an diesen 'Sessions'. Es wurde Texte geschrieben - zum gemeinsamen Singen vervielfälltigt, Musik dazu komponiert und gemeinsam gesungen und gespielt. Ob mit Gitarre, Akkordon, Geige, Querflöte, Mandoline, Trommeln aller Art, Schellen, Bongos, usw... es war ein heiden Spaß! Auf keiner Fete - und es wurde viel und richtig "gefetet" - fehlte handgemachte Musik! Irgendwie hatte die Leute immer Instrumente mit dabei, setzen sich zusammen (sehr beliebt in der Küche) und machten einfach Musik.Bei allen Aktionen und Veranstaltungen für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum waren die musikalischen Darbietungen immer ein wichtiger Bestandteil und fehlten nie. Ob beim Verteilen von Flugblättern auf dem Stübensplatz oder bei Veranstaltungen: Musik war immer mit dabei!
Aus dieser "Musik-Bewegung" resultierte u.a. die Gruppe Schlaraffenland als feste Formation mit vier Musikern und bildeten den Ursprung oder Kern der Musikszene in Wilhelmsburg (vielleicht vermessen, denn natürlich machten andere ebenfalls Musik, aber sie waren für das Thema "Honigfabrik und Musik" damals weniger oder nicht transparent gewesen). Sie formulierten die Interessen der Musiker in Wilhelmsburg: Sie brauchten Übungs- und damit Freiräume für ihre Musik. Und wenn nicht in einem selbstverwalteten Jugenzentrum, wo denn sonst!Audio: Situation der Musiker in Hambug und die Honigfabrik (03:01)
Manfred Walter Thoma (NDR, 1981)
# MEHR FOLGT #
Musiktitel von einigen Gruppen aus der Honigfabrik. Alle Aufnahmen stammen aus der Sendung "NDR - Im Gespräch " (Oktober 1981).Stadt (04:33)
Klärgrube West (NDR, 1981)Hofa-Blues (03:13)
"Kille" und Freunde (NDR, 1981) Download MP3 3,0 MBDer General (04:20)
Goldi Tannenbaum (NDR, 1981) Download MP3 4,0 MBOhne Titel (03:33)
Grotesk (NDR, 1981)Ohne Titel (04:22)
Grotesk (NDR, 1981)Ohne Titel (04:07)
Grotesk (NDR, 1981)Wir diskutieren - Vergesst nicht (05:17)
Klärgrube West (NDR, 1981)Norbert Braun (02:57)
Klärgrube West (NDR, 1981)
In Wilhelmsburg - ein Hamburger Stadtteil (flächenmäßig großter Stadtteil Hamburgs) auf der Elbinsel zwischen Norder- und Süderelbe - kristallisierten sich die Probleme der damaligen Zeit deutlicher als in den meisten anderen Stadtteilen Hamburgs.
Die schwere Sturmflut von 1962, bei der alleine in Wihelmsburg 207 Menschen ertranken, hat große Teile von Wilhelmsburg überflutet und zum Teil zerstört. "Abgesoffene" Häuser, gerade im Reiherstieg, wurden 'trockengelegt' und bieten heute noch 'unverändert' Wohnraum für viele Menschen.
Auch wir, damals um die 20 Jahre alt, fanden ebenfalls kaum Möglichkeiten. Nach Hamburg "in die Stadt" zu fahren scheiterte regelmäßig an der nicht vorhandenen 'Kohle'. Unsere Freunde, die in Wohngemeinschaften lebten, waren unsere 'Anlaufstellen' um gemeinsam mit anderen Menschen die Freizeit zu verbringen und sinnvoll zugestalten.
Innerhalb dieser Bewegung wurde immer Musik gemacht. Aufgrund der Gegeben- heiten (keine Übungsräume, kein Platz, kein Geld) anfänglich Musik von Lieder- machern - politisch orientierte Lieder - die nur in selbst angemieteten Kelleräumen, in Garagen oder in der Wohnung gemacht werden konnte.
Bei allen Aktionen und Veranstaltungen für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum waren die musikalischen Darbietungen immer ein wichtiger Bestandteil und fehlten nie. Ob beim Verteilen von Flugblättern auf dem Stübensplatz oder bei Veranstaltungen: Musik war immer mit dabei!